Zahnzwischenräume reinigen: Zahnseide, Interdentalbürsten und die richtige Größe
Die Zahnbürste kommt an die Berührungsflächen zwischen zwei Zähnen nicht heran. Genau dort entsteht besonders häufig Karies, und dort beginnt Zahnfleischentzündung. Deshalb gehört die Zwischenraumpflege einmal täglich zur Routine. Welches Hilfsmittel richtig ist, hängt vom Abstand ab: Bei engen Zwischenräumen ist Zahnseide das Mittel der Wahl, sobald Platz vorhanden ist, reinigen Interdentalbürsten gründlicher. Die passende Größe bestimmt die Praxis.
Warum dieser Bereich so anfällig ist
Zwischen zwei Zähnen treffen zwei gewölbte Flächen aufeinander. Darunter liegt das Zahnfleisch in Form einer kleinen Spitze. Speisereste und Belag sammeln sich hier ungestört, weil weder Borsten noch Speichel noch die Zunge dorthin gelangen. Der Belag bleibt liegen, das Zahnfleisch reagiert mit einer Entzündung, und am Zahn selbst kann sich Karies bilden, die von außen lange nicht zu sehen ist. Wer nur die Außen- und Kauflächen putzt, lässt einen erheblichen Teil der Zahnoberfläche unberührt.
Interdentalbürsten: erste Wahl, wenn sie passen
Interdentalbürsten sind kleine Bürsten mit einem dünnen Draht, die in verschiedenen Stärken angeboten werden. Sie reinigen dort, wo sie hineinpassen, gründlicher als Zahnseide, weil die Borsten die Flächen aktiv abfegen und auch leichte Vertiefungen erreichen. Entscheidend ist die richtige Größe: Die Bürste soll den Raum ausfüllen und mit leichtem Widerstand hindurchgehen, ohne dass Sie sie hineinzwingen müssen. Zu klein bedeutet, dass sie nur durch die Mitte fährt und nichts abträgt. Zu groß bedeutet Verletzungsgefahr.
Fast immer braucht man mehrere Größen, weil die Zwischenräume im Mund unterschiedlich weit sind. Lassen Sie sich die Größen in der Praxis mit Messsonden bestimmen und die Anwendung zeigen. Geführt wird die Bürste waagerecht, ohne zu drehen, mit kurzen Vor- und Zurückbewegungen. Ein Vorteil im Alltag: Interdentalbürsten sind mit einer Hand zu bedienen und deutlich einfacher zu handhaben als Zahnseide.
Zahnseide: für die engen Stellen
Wo die Zähne so eng stehen, dass keine Bürste hineinpasst, bleibt Zahnseide. Nehmen Sie ein ausreichend langes Stück, spannen Sie es zwischen den Fingern und führen Sie es vorsichtig durch den Kontaktpunkt, ohne in das Zahnfleisch zu schnappen. Legen Sie die Seide dann C-förmig um den einen Zahn und fahren Sie einige Male auf und ab, auch ein Stück unter den Zahnfleischrand. Danach dieselbe Bewegung am Nachbarzahn. Für jeden Zwischenraum ein frischer Abschnitt.
Wenn die Seide immer an derselben Stelle einreißt oder hängen bleibt, ist das ein Hinweis auf einen überstehenden Füllungsrand oder eine Karies. Das gehört in der Praxis angesehen.
Weitere Hilfsmittel und Sonderfälle
- Zahnseide mit Halter erleichtert den Einstieg, erreicht aber die hinteren Zähne oft schlecht
- Superfloss mit verstärktem Ende ist für Brückenglieder und Spangen gedacht
- Munddusche spült Reste heraus, ersetzt aber die mechanische Reinigung nicht
- bei Implantaten und Zahnersatz gelten eigene Empfehlungen, lassen Sie sich beraten
Blutung, Reihenfolge und Dranbleiben
Wenn Sie mit der Zwischenraumpflege beginnen, blutet es häufig in den ersten Tagen. Das ist ein Zeichen der bestehenden Entzündung, nicht der Verletzung. Bei schonender, täglicher Reinigung geht das in der Regel zurück. Blutet es nach längerer konsequenter Anwendung weiter, lassen Sie das abklären.
Ob Sie vor oder nach dem Zähneputzen reinigen, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass es täglich geschieht, am besten abends und zu einem festen Zeitpunkt. Gelegentliche Anwendung bringt wenig, weil der Belag sich ständig neu bildet.
Praktisch bewährt hat sich, das Hilfsmittel sichtbar zu deponieren statt in der Schublade. Die Zwischenraumpflege scheitert selten am Wissen und fast immer daran, dass sie im Ablauf nicht vorkommt. Wer sie an eine bestehende Gewohnheit koppelt, etwa direkt vor dem Zähneputzen, hält sie eher durch als jemand, der sie sich für einen ruhigen Moment vornimmt.
Rechnen Sie damit, dass die ersten Anwendungen ungeschickt und zeitraubend wirken. Das legt sich. Nach einigen Wochen ist der Durchgang durch alle Zwischenräume eine Sache von wenigen Augenblicken, weil die Hände den Weg kennen und das Zahnfleisch nicht mehr entzündet ist.
Fazit
Die Zwischenraumpflege ist kein optionales Extra, sondern der Teil der Reinigung, der die anfälligsten Flächen erreicht. Interdentalbürsten in der richtigen Größe sind überall dort vorzuziehen, wo sie hineinpassen, Zahnseide bleibt für die engen Stellen. Lassen Sie sich Größe und Technik einmal in der Praxis zeigen, dann wird aus einer lästigen Pflicht eine Sache von wenigen Augenblicken.