Weisheitszähne: Wann sie entfernt werden und wann sie bleiben dürfen
Weisheitszähne werden nicht grundsätzlich entfernt. Wenn sie vollständig durchgebrochen sind, im Biss stehen, sich reinigen lassen und keine Beschwerden machen, dürfen sie bleiben und werden wie andere Zähne kontrolliert. Ein Grund zur Entfernung entsteht, wenn sie wiederholt entzünden, wenn sie den Nachbarzahn schädigen, wenn sie nicht zu reinigen sind oder wenn sich Zysten bilden. Die pauschale Entfernung aller vier Zähne ohne Befund ist heute nicht der Standard.
Warum gerade diese Zähne Probleme machen
Weisheitszähne brechen als letzte durch, meist im jungen Erwachsenenalter, und finden häufig keinen Platz mehr. Sie bleiben dann teilweise oder vollständig im Knochen, kippen gegen den Nachbarzahn oder brechen nur zum Teil durch. Genau der Teildurchbruch ist die ungünstigste Lage: Es entsteht eine Tasche zwischen Zahn und Zahnfleisch, die sich nicht reinigen lässt und in der sich Bakterien sammeln. Die Folge sind wiederkehrende Entzündungen der Zahnfleischkapuze, oft mit Schwellung, Schmerzen und erschwerter Mundöffnung. Auch der Nachbarzahn leidet: An seiner Rückseite, wo der Weisheitszahn anliegt, entsteht Karies an einer Stelle, die schlecht zu behandeln ist.
Gründe für eine Entfernung
- wiederholte Entzündungen um einen teilweise durchgebrochenen Zahn
- Karies am Weisheitszahn oder am Nachbarzahn, die sich nicht sinnvoll versorgen lässt
- Zysten oder Veränderungen, die auf der Röntgenaufnahme auffallen
- Schädigung der Wurzel des Nachbarzahns
- ein Zahn ohne Gegenzahn, der herauswandert und stört
- Platzbedarf im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung
- vor bestimmten Behandlungen, wenn der Zahn später zum Problem würde
Nicht als Grund gilt dagegen die früher verbreitete Annahme, Weisheitszähne würden zwangsläufig die Frontzähne verschieben. Ein Engstand der unteren Frontzähne entsteht auch ohne sie.
Der Eingriff
Vor der Entfernung wird geröntgt, um Lage, Wurzelform und die Nähe zu wichtigen Strukturen zu beurteilen, im Unterkiefer vor allem zum Nervkanal, im Oberkiefer zur Kieferhöhle. Bei enger Lagebeziehung kommt eine dreidimensionale Aufnahme infrage. Der Eingriff findet üblicherweise unter örtlicher Betäubung statt, auf Wunsch mit zusätzlicher Beruhigung. Liegt der Zahn im Knochen, wird das Zahnfleisch eröffnet, gegebenenfalls Knochen abgetragen und der Zahn teils zerlegt entfernt, damit weniger Substanz geopfert werden muss. Danach wird genäht.
Über die Risiken wird vorher aufgeklärt. Dazu gehören Schwellung, Nachblutung, Wundheilungsstörungen und, je nach Lage, eine vorübergehende oder in seltenen Fällen bleibende Gefühlsstörung an Lippe, Kinn oder Zunge. Diese Aufklärung ist kein Ritual: Sie ist der Grund, warum Lage und Nervnähe vorher genau beurteilt werden, und sie fließt in die Entscheidung ein, ob ein beschwerdefreier Zahn überhaupt entfernt werden sollte.
Nach dem Eingriff
Rechnen Sie mit Schwellung, die meist erst am Folgetag ihren Höhepunkt erreicht, und mit eingeschränkter Mundöffnung. Bewährt haben sich:
- von außen kühlen, in Abständen und nicht mit direktem Eiskontakt auf der Haut
- körperliche Schonung, kein Sport, keine Sauna, kein heißes Bad
- Verzicht auf Rauchen und Alkohol, beides stört die Wundheilung erheblich
- weiche, kühle Kost, nichts Krümeliges, keine Milchprodukte in der ersten Zeit, wenn dazu geraten wird
- nicht mit dem Strohhalm trinken und nicht kräftig spülen, der Unterdruck kann das Blutgerinnsel lösen
- die Wunde in Ruhe lassen, nicht mit der Zunge daran arbeiten
Das Blutgerinnsel in der Wunde ist der eigentliche Wundverschluss. Löst es sich, entsteht eine schmerzhafte Wundheilungsstörung, die typischerweise einige Tage nach dem Eingriff mit deutlich zunehmendem Schmerz auffällt. Melden Sie sich in diesem Fall, ebenso bei zunehmender Schwellung, Fieber, anhaltender Blutung oder einer Gefühlsstörung, die nicht zurückgeht.
Der Zeitpunkt
Wenn eine Entfernung ohnehin ansteht, ist sie im jüngeren Alter meist unkomplizierter: Die Wurzeln sind noch nicht vollständig ausgebildet, der Knochen ist elastischer, und die Heilung verläuft in der Regel zügiger. Das ist ein Argument für die Planung, aber kein Argument dafür, beschwerdefreie und gut stehende Zähne vorsorglich zu entfernen. Planen Sie den Termin so, dass Sie danach einige Tage Ruhe haben.
Fazit
Weisheitszähne bleiben, wenn sie stehen, funktionieren und zu reinigen sind. Entfernt werden sie bei Befund, nicht auf Verdacht. Lassen Sie sich zeigen, wie Ihre Zähne liegen und woraus sich die Empfehlung ergibt, und nehmen Sie die Verhaltensregeln nach dem Eingriff ernst.