Kinderzahnheilkunde: Erster Besuch, Milchzähne und was Eltern beeinflussen
Der erste Besuch in der Zahnarztpraxis sollte früh stattfinden, sobald die ersten Zähne da sind, und ausdrücklich ohne Anlass. Ziel ist, dass das Kind die Praxis, die Geräusche und die Menschen kennenlernt, solange nichts wehtut. Wer erst kommt, wenn ein Loch versorgt werden muss, verbindet die Praxis von Anfang an mit einem unangenehmen Eingriff. Milchzähne sind dabei keine Wegwerfzähne: Sie halten den Platz für die bleibenden Zähne, sie werden zum Kauen und Sprechen gebraucht, und Entzündungen an ihnen können den nachfolgenden Zahnkeim schädigen.
Warum Milchzähne zählen
Ein zu früh verlorener Milchzahn hinterlässt eine Lücke, in die die Nachbarzähne kippen. Der bleibende Zahn findet dann keinen Platz mehr und bricht verschoben durch, was später eine kieferorthopädische Behandlung nötig machen kann. Karies an Milchzähnen schreitet zudem schneller voran, weil der Schmelz dünner ist. Und die Bakterien bleiben nicht auf dem einzelnen Zahn: Ein Kind mit hoher Kariesaktivität im Milchgebiss hat ein höheres Risiko auch für die bleibenden Zähne. Milchzähne werden deshalb behandelt und nicht einfach abgewartet, bis sie ausfallen.
Die häufigsten Ursachen früher Karies
- das Dauernuckeln an Flaschen mit Saft, Schorle, Tee mit Zucker oder Milch, besonders beim Einschlafen
- ständige kleine Zwischenmahlzeiten, die dem Speichel keine Erholung lassen
- Zuckerquellen, die man nicht auf dem Schirm hat: Trockenfrüchte, Müsli, Fertigprodukte
- zu spät begonnene oder zu früh allein dem Kind überlassene Zahnpflege
- Ablecken von Schnullern und Löffeln, wodurch Bakterien übertragen werden
Die Flasche sollte kein Dauerbegleiter sein. Zum Trinken zwischendurch eignen sich Wasser und ungesüßter Tee, und ab dem passenden Alter der Becher statt der Flasche.
Zähneputzen: wer, wann, wie
Geputzt wird ab dem ersten Zahn, zunächst von den Eltern. Entscheidend ist ein Punkt, der oft zu früh aufgegeben wird: Kinder können erst dann selbst ausreichend putzen, wenn sie sicher schreiben können, und das ist deutlich später als der Schuleintritt. Bis dahin gilt Nachputzen, jeden Abend, ohne Ausnahme. Lassen Sie das Kind zuerst selbst putzen, damit es die Routine lernt, und putzen Sie danach systematisch nach.
Welche Zahnpasta und welche Fluoridkonzentration im jeweiligen Alter richtig ist, klären Sie in der Praxis. Die Empfehlungen richten sich nach Alter, Zahl der Zähne und Risiko und werden dort auf Ihr Kind bezogen. Fragen Sie auch nach Fluoridlack und, sobald die bleibenden Backenzähne da sind, nach der Versiegelung der Fissuren, also der Rillen auf der Kaufläche, die sich schlecht reinigen lassen.
Was in der Praxis passiert
Ein erster Termin ist bewusst niedrigschwellig: hinsetzen, den Stuhl fahren lassen, zählen, den Spiegel ansehen, mehr nicht. Kinder werden altersgerecht angesprochen und Schritt für Schritt herangeführt. Für die Vorsorge gibt es eigene Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter, die Ihre Praxis kennt und mit Ihnen plant.
Eltern haben dabei mehr Einfluss, als ihnen bewusst ist. Vermeiden Sie Sätze, die Schmerz überhaupt erst zum Thema machen, auch gut gemeinte wie die Versicherung, dass es nicht wehtun werde. Kinder hören das Wort, nicht die Verneinung. Verwenden Sie den Zahnarztbesuch nie als Drohung und stellen Sie keine Belohnung in Aussicht, die das Ereignis als etwas Schlimmes markiert. Halten Sie sich während der Behandlung zurück und überlassen Sie die Kommunikation dem Team. Und wenn Sie selbst Angst haben: Lassen Sie möglichst die Person mitgehen, die entspannter ist.
Wenn ein Milchzahn verletzt wird
Stürze im Kleinkindalter treffen häufig die oberen Frontzähne. Ein ausgeschlagener Milchzahn wird in der Regel nicht wieder eingesetzt, weil dabei der bleibende Zahnkeim Schaden nehmen kann. Zeitnah angesehen werden muss er trotzdem, ebenso ein gelockerter, verschobener oder abgebrochener Zahn. Ein Zahn, der sich später dunkel verfärbt, gehört ebenfalls kontrolliert.
Fazit
Früh und ohne Anlass in die Praxis, Milchzähne ernst nehmen, ab dem ersten Zahn putzen und lange nachputzen: Das sind die Hebel, die Eltern in der Hand haben. Die Flasche gehört nicht ins Bett, und die Sprache über den Zahnarztbesuch prägt, wie Ihr Kind ihn erlebt.