Kieferorthopädie: Wann eine Behandlung sinnvoll ist und wie sie abläuft
Eine kieferorthopädische Behandlung korrigiert die Stellung von Zähnen und die Lage der Kiefer zueinander. Sie ist nicht in erster Linie eine Frage des Aussehens: Fehlstellungen können das Kauen beeinträchtigen, die Reinigung erschweren und damit Karies und Zahnfleischerkrankungen begünstigen, einzelne Zähne überlasten und die Kiefergelenke belasten. Wann der richtige Zeitpunkt ist, hängt von der Art der Fehlstellung ab. Manches wird früh angegangen, weil das Wachstum genutzt werden kann, anderes wartet, bis alle bleibenden Zähne da sind.
Was behandelt wird
Die Bandbreite reicht von eng stehenden oder verschachtelten Zähnen über Lücken bis zu Abweichungen im Zusammenbiss: Zähne, die zu weit vorstehen, ein Unterkiefer, der zu weit vorn oder zurück liegt, ein Kreuzbiss, ein offener Biss, bei dem die Frontzähne keinen Kontakt haben, oder ein tiefer Biss. Auch Zähne, die nicht durchbrechen oder falsch angelegt sind, sowie Platzmangel gehören dazu. Manche Befunde sind rein ästhetisch, andere haben Funktion und Gesundheit im Blick. Lassen Sie sich sagen, in welche Kategorie Ihr Befund fällt.
Der Zeitpunkt
Die Hauptbehandlung findet meist statt, wenn der Zahnwechsel weitgehend abgeschlossen ist und noch Wachstum zur Verfügung steht. Manche Befunde werden aber früher angegangen: ein Kreuzbiss, ausgeprägt vorstehende Frontzähne mit Unfallrisiko, Platzmangel, der sich verschärft, oder Gewohnheiten wie langes Daumenlutschen, die den Kiefer verformen. Diese frühe Phase ersetzt die spätere Behandlung nicht immer, sie schafft die Voraussetzungen.
Erwachsene können ebenfalls behandelt werden, und das ist inzwischen alltäglich. Der Unterschied: Es steht kein Wachstum mehr zur Verfügung, das genutzt werden könnte, deshalb sind rein zahnbezogene Korrekturen leichter als solche, die die Kieferlage betreffen. Ausgeprägte Abweichungen der Kiefer erfordern bei Erwachsenen unter Umständen einen kombiniert chirurgischen Weg. Voraussetzung ist in jedem Alter ein gesundes Zahnfleisch: Eine unbehandelte Parodontitis muss zuerst therapiert werden, sonst schadet die Bewegung mehr, als sie nützt.
Wie die Behandlung abläuft
- Diagnostik: Untersuchung, Abformung oder Scan, Fotos und Röntgenaufnahmen
- Behandlungsplan mit Ziel, Mitteln, Dauer und Kosten, der mit Ihnen besprochen wird
- gegebenenfalls Vorbehandlung, etwa Karies versorgen oder Zahnfleisch sanieren
- aktive Phase mit herausnehmbarem oder festsitzendem Gerät, mit regelmäßigen Kontrollterminen
- Retentionsphase, in der das Ergebnis stabilisiert wird
Die Retention ist der Teil, den fast alle unterschätzen. Zähne haben die Neigung, in ihre alte Position zurückzuwandern, und zwar dauerhaft. Deshalb folgt nach der aktiven Phase ein festgeklebter Draht auf der Innenseite oder eine Schiene für die Nacht, oft über sehr lange Zeit. Wer die Retention vernachlässigt, verliert das Ergebnis der gesamten Behandlung. Das ist keine lästige Zugabe, sondern Teil der Behandlung.
Mitarbeit entscheidet
Bei herausnehmbaren Geräten und bei Alignern hängt der Erfolg unmittelbar davon ab, wie konsequent getragen wird. Ein Gerät in der Schublade bewegt keinen Zahn, und die Behandlung zieht sich, wenn die Tragezeit nicht eingehalten wird. Bei festsitzenden Spangen ist die Mitarbeit anders gelagert, aber nicht weniger wichtig: Die Reinigung wird deutlich schwieriger, weil Brackets und Drähte Nischen schaffen. Entkalkungen als bleibende weiße Flecken rund um die Brackets sind eine typische und ärgerliche Folge mangelhafter Pflege. Nötig sind spezielle Bürsten, Zwischenraumpflege und meist engmaschigere professionelle Reinigung.
Kosten
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Behandlung bei Kindern und Jugendlichen, wenn der Befund eine bestimmte Ausprägung erreicht, die anhand festgelegter Einstufungen beurteilt wird. Leichtere Fehlstellungen, die überwiegend ästhetisch begründet sind, fallen nicht darunter. Zusatzleistungen über die Regelversorgung hinaus werden privat vereinbart. Bei Erwachsenen ist die Behandlung nur in eng begrenzten Ausnahmen Kassenleistung. Lassen Sie sich den Plan mit den enthaltenen und den zusätzlichen Leistungen im Einzelnen erklären, bevor Sie zustimmen, und holen Sie bei umfangreichen Vorhaben eine Zweitmeinung ein.
Fazit
Kieferorthopädie richtet sich nach dem Befund, nicht nach dem Kalender. Lassen Sie den richtigen Zeitpunkt fachlich beurteilen, klären Sie, ob Funktion oder Ästhetik im Vordergrund steht, und nehmen Sie Mitarbeit und Retention ernst. Ohne sie ist die aufwendigste Behandlung auf Dauer vergeblich.