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Karies: Wie sie entsteht, wie sie erkannt wird und wann behandelt werden muss

Karies ist keine Krankheit, die man sich einfängt, sondern das Ergebnis eines aus dem Gleichgewicht geratenen Vorgangs. Bakterien im Zahnbelag bilden aus Zucker Säuren, diese lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz, und der Speichel baut sie in den Pausen wieder ein. Überwiegen die Angriffe dauerhaft, verliert der Schmelz an Substanz. Solange nur der Schmelz betroffen ist, lässt sich das häufig noch aufhalten und umkehren. Ist die Oberfläche eingebrochen, muss der Defekt versorgt werden.

Vom weißen Fleck zum Loch

Am Anfang steht keine Höhle, sondern eine Entkalkung: eine mattweiße, kreidige Stelle, meist am Zahnfleischrand oder im Zwischenraum. Die Oberfläche ist dabei noch intakt, darunter hat der Schmelz jedoch bereits Mineralien verloren. Genau dieses Stadium ist die Chance, denn hier kann der Zahn mit Fluorid, guter Reinigung und veränderten Ernährungsgewohnheiten wieder nachhärten.

Bleibt der Reiz bestehen, bricht die Oberfläche irgendwann ein. Ab diesem Punkt ist der Weg zurück versperrt, weil Zahnschmelz sich nicht neu bildet. Die Karies breitet sich dann im weicheren Dentin schneller aus und nähert sich dem Zahnnerv. Erreicht sie ihn, entzündet sich das Innere des Zahns, und aus einer Füllung wird eine Wurzelbehandlung.

Warum es lange nicht weh tut

Das ist der tückische Teil. Der Zahnschmelz enthält keine Nerven, die Frühphase verläuft daher völlig schmerzfrei. Erste Empfindlichkeiten auf Süßes, Saures, Kälte oder Wärme treten meist erst auf, wenn das Dentin beteiligt ist. Anhaltender oder pochender Schmerz deutet darauf hin, dass der Nerv bereits gereizt oder entzündet ist. Wer wartet, bis es wehtut, verpasst regelmäßig den einfachen Teil der Behandlung. Deshalb ist die Kontrolluntersuchung kein Selbstzweck.

Wie Karies gefunden wird

Untersucht wird zunächst mit Auge und Licht, an gut zugänglichen Flächen mit Spiegel und Sonde. Das Problem sind die Stellen, die man nicht sieht: die Zwischenräume und der Bereich unter vorhandenen Füllungen. Deshalb kommen Röntgenaufnahmen ins Spiel, die Zwischenraumkaries sichtbar machen, lange bevor sie von außen erkennbar wäre. Ergänzend gibt es Verfahren mit Licht oder Laser, die Hinweise liefern, aber die Beurteilung nicht ersetzen.

Nicht jeder Befund muss sofort behandelt werden. Eine beginnende Läsion im Schmelz wird häufig zunächst beobachtet und gezielt behandelt, ohne zu bohren. Lassen Sie sich sagen, wie tief ein Befund reicht und ob er als beobachtungswürdig oder als behandlungsbedürftig eingestuft wird.

Was die Behandlung bedeutet

Ist die Oberfläche eingebrochen, wird das erweichte Gewebe entfernt und der Defekt mit einer Füllung verschlossen. Ziel ist, so viel gesunde Zahnsubstanz wie möglich zu erhalten. Bei sehr tiefer Karies wird teils bewusst zurückhaltend gearbeitet, um den Nerv zu schonen und den Zahn vital zu halten. Ist zu wenig Substanz übrig, um eine Füllung sicher zu verankern, kommt eine Teilversorgung oder eine Krone infrage. Reicht die Karies bis in den Nerv, ist eine Wurzelbehandlung nötig, um den Zahn zu erhalten.

Wer besonders gefährdet ist

  • Menschen mit trockenem Mund, etwa durch Medikamente oder Bestrahlung
  • Träger festsitzender Zahnspangen, weil die Reinigung erschwert ist
  • wer viele tiefe Fissuren oder eng stehende Zähne hat
  • wer häufig kleine Mengen Zucker über den Tag verteilt aufnimmt
  • Menschen mit freiliegenden Wurzeloberflächen, die weicher sind als Schmelz
  • Kinder mit Dauernuckelflaschen

Risiko ist dabei kein Urteil, sondern eine Information: Es bestimmt, wie engmaschig kontrolliert wird und wie intensiv vorgebeugt werden sollte.

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, schlechte Zähne seien reine Veranlagung. Erblich sind Faktoren wie die Form der Fissuren, die Stellung der Zähne, die Zusammensetzung und Menge des Speichels. Der Vorgang selbst bleibt aber beeinflussbar. Zwei Menschen mit derselben Veranlagung können sehr unterschiedliche Verläufe haben, je nachdem, wie oft gegessen und wie gründlich gereinigt wird.

Fazit

Karies entsteht schleichend und schmerzfrei, und genau deshalb wird sie so oft zu spät bemerkt. Im Frühstadium lässt sie sich ohne Bohrer aufhalten, später nur noch reparieren. Regelmäßige Kontrolle, tägliche Zwischenraumpflege, Fluorid und ein ruhigerer Takt beim Essen sind die wirksamen Hebel. Bemerken Sie eine empfindliche oder verfärbte Stelle, lassen Sie das in der Praxis abklären, statt abzuwarten.

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