Herausnehmbarer Zahnersatz: Teilprothese, Vollprothese und die Eingewöhnung
Herausnehmbarer Zahnersatz kommt ins Spiel, wenn so viele Zähne fehlen, dass eine Brücke keine sichere Abstützung mehr findet, oder wenn Implantate nicht infrage kommen. Eine Teilprothese stützt sich auf vorhandene Zähne, eine Vollprothese liegt dem Kiefer auf. Beide sind bewährte Lösungen, die Kauen und Sprechen wiederherstellen und das Gesicht stützen. Rechnen Sie mit einer Eingewöhnungszeit und mit mehreren Nachkontrollen, in denen nachgestellt wird. Das ist der Normalfall, kein Zeichen für eine misslungene Arbeit.
Die Varianten
- Teilprothese mit Klammern: die einfachere Ausführung, günstiger, die Halteelemente sind aber teils sichtbar
- Teilprothese mit Verbindungselementen, etwa Teleskopkronen oder Geschieben: die Pfeilerzähne werden überkront, der Halt ist besser und die Ästhetik unauffälliger, der Aufwand ist höher
- Vollprothese: bei zahnlosem Kiefer, sie hält im Oberkiefer über einen Saugeffekt am Gaumen, im Unterkiefer ist der Halt naturgemäß schwieriger
- implantatgetragene Lösungen: Implantate dienen als Anker, was gerade im Unterkiefer den Halt deutlich verbessert
Welche Variante passt, hängt von Zahl und Zustand der verbliebenen Zähne ab, vom Knochen, vom Kieferverlauf und davon, wie viel Aufwand für Sie sinnvoll ist. Der Unterkiefer ist der klassische Problemfall, weil die Zunge arbeitet und die Auflagefläche kleiner ist.
Wie die Anfertigung abläuft
Anders als bei einer Krone entsteht eine Prothese in mehreren Schritten mit jeweils einem Termin: Abformung, Bissnahme zur Bestimmung der Kieferrelation, Einprobe der Zahnaufstellung in Wachs und schließlich die Eingliederung. Die Einprobe ist der Moment, in dem Sie mitgestalten können: Farbe, Form und Stellung der Zähne lassen sich hier noch ändern, später nur mit erheblichem Aufwand. Sagen Sie deutlich, wenn Ihnen etwas nicht gefällt.
Die Eingewöhnung ehrlich betrachtet
Am Anfang ist eine Prothese ein Fremdkörper. Typisch sind ein Spannungsgefühl, vermehrter Speichelfluss, ein verändertes Geschmacksempfinden und Schwierigkeiten beim Sprechen. Das legt sich meist. Hilfreich ist, laut zu lesen, um die Aussprache zu üben, und zunächst weiche Speisen zu wählen, in kleinen Stücken und beidseits zu kauen. Harte und klebrige Speisen kommen später.
Druckstellen sind normal und gehören nachgestellt, nicht ausgehalten. Wichtig: Lassen Sie die Prothese vor einem Korrekturtermin einige Stunden eingesetzt, sonst ist die Druckstelle nicht mehr auffindbar. Versuchen Sie niemals, selbst am Ersatz zu schleifen oder zu biegen. Eine verbogene Klammer ist schnell ruiniert, und die Passung ist dahin.
Reinigung und Umgang
Die Prothese wird nach den Mahlzeiten und abends gereinigt, mit einer Prothesenbürste und Seife oder einem geeigneten Reiniger, nicht mit normaler Zahnpasta, die zu stark schleift und die Oberfläche aufraut. Reinigen Sie über einem mit Wasser gefüllten Waschbecken oder einem Handtuch, damit sie einen Sturz übersteht. Die verbliebenen Zähne und das Zahnfleisch brauchen weiterhin volle Aufmerksamkeit, gerade die Pfeilerzähne unter Klammern und Kronen sind gefährdet. Eine Prothese entbindet nicht von der Zahnpflege, sie erweitert sie.
Was sich mit der Zeit ändert
Der Kieferknochen verändert sich nach Zahnverlust und bildet sich mit den Jahren zurück. Die Prothese passt dann nicht mehr so wie am Anfang und wird lockerer. Das ist kein Mangel der Arbeit, sondern ein natürlicher Vorgang. Abhilfe schafft eine Unterfütterung, bei der die Auflagefläche neu angepasst wird. Haftmittel können vorübergehend helfen, sind aber kein Ersatz für eine korrekte Passung. Wenn Sie dauerhaft Haftcreme brauchen, um den Ersatz zu tragen, lassen Sie die Passung überprüfen.
Gehen Sie auch als Prothesenträger regelmäßig zur Kontrolle, ebenso bei zahnlosem Kiefer. Beurteilt werden Passung, Biss, Druckstellen und die Schleimhaut. Stellen, die nicht abheilen, gehören zeitnah angesehen.
Eine Prothese, die schlecht sitzt, wird außerdem selten nur unbequem. Sie führt dazu, dass einseitig gekaut wird, dass harte Speisen gemieden werden und dass sich die Ernährung unbemerkt verändert. Wer nur noch Weiches zu sich nimmt, weil das Kauen anstrengend geworden ist, sollte das ansprechen. Das ist kein kosmetisches Anliegen, sondern ein Grund, die Passung zu überprüfen.
Fazit
Herausnehmbarer Zahnersatz stellt Funktion und Aussehen wieder her, verlangt aber Geduld in der Eingewöhnung und regelmäßiges Nachstellen. Nutzen Sie die Wachseinprobe, melden Sie Druckstellen früh, reinigen Sie Prothese und Restzähne konsequent und lassen Sie die Passung im Lauf der Jahre überprüfen.